Der erste alpine Halbmarathon unserer Karriere fand am 31.07.2010 beim 25-jährigen Jubiläum des swissalpine Marathon in Davos statt. Unser Tag begann um 8 Uhr mit einem reichhaltigen Fitnessfrühstück in einer namentlich nicht zu erwähnenden Straussenwirtschaft (Grund: Schleichwerbung). Nach erfolgreicher Verköstigung ging es auf die ca. 240 km Anfahrtsweg nach Davos. Unterwegs mussten wir für diverse Geschäftlichkeiten dreimal pausieren, da sich unser Flüssigkeitshaushalt auf allerhöchstem Niveau für einen bevorstehenden Wettkampf befand.
Angekommen in Davos um etwa 12.30 Uhr, fanden wir an der ausgewiesenen Startnummernausgabestelle lediglich ein paar Umzugskartons vor. Unsere freundliche Frage nach der genauen Örtlichkeit der Ausgabestell - zunächst bei einem sprachgewandten englischsprechenden Teilnehmer, dann bei zwei verschiedenen Verkehrskadetten - blieb leider ohne Erfolg, bis wir einen Privatparkplatzwächter interviewen konnten. Dieser teilte uns zu unserem Erstaunen mit, dass wir in Klosters und nicht in Davos die Startunterlagen zu holen hätten, der Weg dorthin führe uns allerdings über einen Pass. Leichte Hektik brach aus, da wir zeitlich sowieso schon eng kalkuliert hatten und der Lauf um 14:25 Uhr beginnen sollte - nach Möglichkeit mit uns.
Die Eingabe des neuen Zielortes in das zuverlässige Navigationsgerät verschaffte uns wieder etwas mehr Zuversicht, da lediglich 20 Minuten für die Strecke mit dem Auto zurückzulegen waren. In Klosters angekommen, fanden wir ohne weitere Zwischenfälle einen Parkplatz, die Startnummernausgabe direkt an einem Bahnhof und die Örtlichkeiten für kleinere und größere Geschäfte mit fragwürdigen Hygienevorrichtungen. Um zum Start des Halbmarathons zu gelangen, war die Anfahrt mit dem eigenen Fahrzeug strickt untersagt. Eine Zuwiderhandlung hätte die Disqualifiaktion zur Folge gehabt. So wurden alle Teilnehmer in einen Sonderzug verfrachtet und zum Start nach Davos Wolfgang kutschiert.
Gestartet wurde auf einer Höhe von etwa 1.000 Höhenmetern von einer wunderschönen 500 Meter langen Brücke. Das war es dann aber auch schon mit dem schönen Teil. Danach ging es zunächst einmal knapp 3 km bergauf (Streckenprofil herunterladen). Bereits auf diesem steilen Streckenabschnitt, mussten wir zwei Gehpausen einlegen, um wieder zu Atem und Kräften zu kommen. Nach einer kurzen und erholenden Bergabpassage folgte der etwa 3,5 km lange Aufstieg bis auf 1.500 Höhenmeter. Vereinzelt blieb uns aufgrund der Steilheit und Beengtheit des Weges und eigener Kraftlosigkeit nichts anderes übrig, als den Fussmarsch anzutreten. Auf Höhe von Streckenkilometer 8 musste Alex den stärkeren Ramon ziehen lassen, welcher sich nur wiederwärtig dem “Freibrief” hingab, schlussendlich aber doch mächtig und spektakulär an einem steilen Abschnitt anzog und bald darauf aus dem Blickfeld verschwandt.
Der weitere Verlauf bis Streckenkilometer 12,5 war geprägt von einigen Bergabpassagen und kurzen, aber knackigen Berganstiegen bis hinauf auf eine Höhe von 1.680 Meter. Nach Erreichen des Gipfels dieser Halbmarathonstrecke folgte eine Erholungsphase hinab auf 1.600 Höhenmeter, auf dessen Höhe sich auch der Zielort Davos befindet. Trotz der gleichen Höhenlage ab Kilometer 13,5 bis zum Ziel verlief die restliche Strecke teilweise hügelig, durch enge und nicht gut zu bewältigende Waldwege und war nur selten geprägt von flachen Abschnitten. Negativ aufgefallen ist uns insbesondere die Lösung des Problems, wie zwei Straßen von den Läufermassen überquert werden sollen. Es wurde eine Art notdürftiger Übergang, bestehend aus Gerüstteilen, wie sie auf einem Bau zu finden sind, erstellt, über welchen die Läufer gehen mussten. Dabei war die Umgewöhnung vom Renn- in den Treppensteigrhythmus so fatal, dass ab diesem Zeitpunkt sicherlich nicht nur Ramon mit nicht unerheblichen Krämpfen zu kämpfen hatte, die ihn beinnahe zur Aufgabe zwangen.
Drei Verpflegungsstände im Abstand von etwa 5 Kilometern versorgten die Läuferinnen und Läufer mit Wasser, isotonischem Tee und Bananen oder Müsliriegel. Von der wunderschönen Landschaft, der herrlichen Luft und dem hervorragenden, fast schon zu warmen Sonnenscheinwetter, bekamen wir nur recht wenig mit. So erreichten wir das Ziel in einer so nicht erwarteten - da schwierigkeits- und anstrengungstechnisch die Strecke unterschätzt wurde - Zeit von 2:18 Std. (Ramon) bzw. 2:26 Std. (Alex). Dort wurden wir verpflegt mit Gemüsebrühe, alkoholfreiem Bier, Wasser und isotonischen Getränken. Die Rückfahrt mit dem Zug nach Klosters stellte sich dann leider als Geduldsprobe heraus, da wir auf die Abfahrt des Zuges 40 Minuten warten mussten.
Von Klosters aus schlugen wir uns dann noch etwa 25 Kilometer oder 40 Minuten mit dem Auto durch die Landschaft, bevor wir unser Hotel in St. Antönien erreichten, wo wir nach einer erfrischenden Dusche das Abendmahl zu uns nahmen. Gereicht wurde ein gemischter Salat, der Hauptgang bestand aus den Kombinationen Schnitzel, Pommes und Salat, was im schweizerischen soviel heißt wie “Schnipo”.
Nach einer angenehmen Nachtruhe, welche lediglich zu Anbeginn der Einschlafphase durch die direkt an das Hotel angrenzende Kirchenglocke gestört wurde, genossen wir ein hervorragendes Frühstück und stellten fest, dass von dem befürchteten Hammer-Muskelkater nichts zu spüren war. Im Gegenteil, wir fühlten uns pudelwohl und konnten sogar nach dem Auschecken etwas bergauf wandern, um die herrliche Landschaft phototechnisch festzuhalten. Auf der Rückfahrt kehrten wir am Zürichersee in einer Wirtschaft zum Mittagessen ein und ließen anschließend im Joggele in Basel bei einem 3-0 Sieg über den FC St. Gallen das Wochenende ausklingen.